Kirchbau-Chronik "Neue Pfarrkirche"

 

Wie man in Alt-Hürth eine Kirche baute:
Mauerwerk aus Paafeschwänzen und Klätschöhrchen

Über hundert Jahre steht die Kirche St. Katharina in Hürth.
Wie es zum Bau kam und wie die Hürther auftretende Schwierigkeiten meisterten.

 

Die Hürther Kirche "... sei doch eine der armseligsten, die er noch gefunden. Schlechte Decke, schlechte Wände, schlechter Belag, so feucht, dass man meint, man sei in einem dumpfen Keller, das Mobiliar erbärmlich und ganz und gar unzureichend für eine so große Pfarre".1 So befand Hochwürden Weihbischof Dr. Fischer anlässlich seiner canonischen Visitation im Mai des Jahres 1889.

Aber auch die Hürther selbst fühlten sich schon lange nicht mehr wohl in ihrem armseligen Gotteshaus und hatten bereits am 19.6.1987 unter ihrem Pfarrer J.A. Hubert Rath den "St. Catharina Bauverein" gegründet mit dem Ziel, eine finanzielle Grundlage zu schaffen, um die alte Kirche zu renovieren und durch den Bau eines neuen Chores und eines Querschiffes zu erweitern.

5 Pfennige betrug der wöchentliche Beitrag, der alle 14 Tage von den Mitgliedern des Kirchenvorstandes und der kirchlichen Gemeindevertretung nach dem Hochamt am Sonntag eingesammelt wurde.

Für alle, die einen Frühschoppen dem Hochamt vorzogen oder beides nacheinander genossen, waren in den Gastwirtschaften kleine Kirchenmodelle als Sammelbüchsen aufgestellt.

Hürth bildete damals mit Knapsack und Alstädten eine selbständige Gemeinde der Bürgermeisterei Hürth; die drei Ortschaften waren auch als Kirchengemeinde miteinander verbunden.

Rund 2.000 Einwohner lebten in den drei Dörfern, von denen Hürth mit 1.484 Einwohnern das größte war. Das damalige Hürth stellt man sich am besten als Dörfchen mit einfachen kleinen Fachwerkhäusern niedriger Bauart vor. Nur drei Familien (Hausmann auf der Kreuzstraße, Köllejan in der Ringstraße und Dr. Wittkampf auf der Kreuzstraße) besaßen Ziegelsteinhäuser.
An den Ufern des Duffesbaches standen mehrere Mühlen: die Metternichsmühle, die Thalmühle, die Hammermannsmühle und bereits außerhalb des Ortes die Kohlhaasmühle.

Wie die Mühlen zeigten, gab es reichlich Wasser in Hürth, aber nur wenig Möglichkeiten zum Broterwerb. Die Menschen waren arm, die Landwirtschaft ernährte schon damals die Familien nicht mehr, da die Höfe durch Erbteilung zu klein geworden waren. An aufstrebende Industriebetriebe, durch die eine Linderung der allgemeinen Notlage hätte erfolgen können, war in dieser abgeschiedenen ländlichen Region nicht zu denken. Den meisten Hürthern blieb nichts anderes übrig, als sich - je nach Geschick - in Köln bei Tagelöhnern um 3 Mark als Arbeiter, Maurer oder in einem anderen Handwerk zu verdingen, damit sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien bestreiten konnten.

Wie hart das damalige Leben war, kann man der Aufstellung entnehmen.

Löhne von 1895 2

Tagelohn eines Handwerkers:
ca. 3 Mark
Tagelohn eines Tagelöhners:
ca. 1 Mark und Kost
Monatslohn eines Knechtes in der Landwirtschaft:
ca. 28 Mark und Kost und Logis

Preise von 1895 2

 

Brot (4 kg Schwarzbrot) 60 Pf.
Brötchen 2 Pf.
Ei 7 Pf.
Milch 20 Pf.
Bohnenkaffee 1,80 - 2,00 M
Arbeitsschuhe 4,00 - 5,00 M
Anzug 30,00 - 50,00 M
Körnchen 5 Pf.
Bier 10 Pf.
Zigarren 5 Pf.

Trotz großer Armut schafften es die Hürther, bereits in drei Jahren ein Guthaben von 6.500 M in ihrem Bauverein anzusparen, auf das sie sicher sehr stolz waren.

Doch die Freude war schnell getrübt. Schockierend muss auf sie gewirkt haben, dass Nachbargemeinden wie Fischenich, Berrenrath und Gleuel ihre Ortschaften stolz mit Kirchenneubauten verzierten, denn als das bekannt wurde, schien ihnen die Renovierung zu kleinlich gedacht. Der Ehrgeiz war geweckt. Ein Neubau sollte es sein.

Den Gedanken, eine vollständig neue Kirche zu errichten, erleichterten auch aufkommende Schwierigkeiten: Ein an der Nordseite der alten Kirche stehender Turm behinderte den geplanten Erweiterungsbau. Das Vorhaben drohte komplizierter und kostspieliger zu werden als gedacht. Erleichternd kam hinzu, dass man nach damaliger Rechtsgrundlage bei Kirchenneubauten zusätzliche Kirchen- und Hauskollekten abhalten konnte, die allerdings der kirchlichen und weltlichen Genehmigung bedurften. So entschied sich der Bauverein in einer Generalversammlung vom 1.7.1890 für einen Neubau 3.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Christen im damaligen Kaiserreich gerade erst raue Zeiten durchgestanden hatten. Der Kulturkampf (1871 - 1879), von Kanzler Bismarck zunächst gegen die katholische Kirche ausgerufen, hatte eine Reihe repressiver gesetzlicher Maßnahmen gebracht, die sich im Verlauf der Auseinandersetzungen gegen beide Konfessionen richteten.

Doch das Pendel schlug um: Protestanten und Katholiken rückten näher zusammen, das Volk war aufgebracht, und Bismarck sah sich gezwungen, die schlimmsten Restriktionen zurückzunehmen. Denkbar ist sogar, dass die Vielzahl der nachfolgenden Kirchenneubauten auch aus Trotz gegen die Kirchenpolitik Bismarcks entstanden ist.

Nachdem die Entscheidung für einen Neubau der Kirche in Hürth einmal getroffen war, musste der Bau rasch in Angriff genommen werden, denn auch der Bau von Schulen in Alstädten und Knapsack stand bevor, und man erwartete eine 200%ige Erhöhung der Kommunalsteuern. Dies konnte die Gebefreudigkeit der Bevölkerung beeinträchtigen.

Zunächst galt es, einen Bauplatz zu finden. Man hielt den Schulgarten des Lehrers Ruland, dessen leckere Birnen, die "Zuckerstetzche", die bei den Hürthern fast ebenso berühmt waren wie die des Herrn von Ribbeck im Havelland, für ein geeignetes Grundstück. Da der Garten Gemeindeeigentum war, kaufte der Kirchenvorstand den Garten von Johann Mund und tauschte ihn gegen den Schulgarten.

Als Architekt beauftrage man den Baumeister Theodor Roß, der gerade die Kirche in Berrenrath baute, und dessen Schwiegervater, Franz Schmitz, sich mit dem Bau der Kirchen in Hermülheim und Fischenich bereits einen Namen gemacht hatte (F. Schmitz erhielt später einen Ruf als Dombaumeister nach Straßburg).

Architekt Roß entwarf die Kirche im neuromanischen Stil und veranschlagte die Kosten auf 67.500 Mark. Wie aber jeder weiß, der selbst einmal gebaut hat, sind die tatsächlichen Kosten am Ende immer höher als geplant. Und so wurde auch damals der Kirchbau von Hürth um 10.000 Mark teurer.

Pfarrer Rath, nicht nur ein guter Pastor, sondern auch ein guter Rechner - er war später maßgeblich an der Gründung der Hürther Spar- und Darlehenskasse beteilig -, hatte schon früh darüber nachgedacht, wie weiteres Geld beschafft werden könnte.

Neben den Ersparnissen aus dem Bauverein und der Kirchenkollekte in Hürth sollte eine große Kollekte in den Kirchen der ganzen Diözese sowie eine Haussammlung in den Regierungsbezirken Köln, Aachen und Düsseldorf die Finanzierung sichern. Am 10.2.1890 wurde ein erster Antrag auf Genehmigung einer Kirchenkollekte in fremden Pfarreien gestellt. Als sich auf das Gesuch lange keine Antwort regte, erinnerte Pfarrer Rath am 6.11.1891 an seinen Antrag und unterstrich die Dringlichkeit seines Anliegens noch einmal. "Die Pfarrangehörigen haben durch den bestehenden Bauverein bereits 10.000 Mark zusammengebracht und sind auch zu weiteren Opfern bereit. Sie überzeugen sich an jedem Sonn- und Feiertage wie durch regelmäßige Überfüllung der Kirche - 119 qm bei 1850 Katholiken - Gedränge und Unordnung unvermeidlich ist und durch das genötigte Verbleiben vor der Kirchtüre so mancherlei Übelstände verursacht werden, die nicht ohne nachteilige Folgen für Religiosität und Sittlichkeit besonders bei der heranwachsenden Jugend bleiben." 4

Diesmal verfehlte der Brief seine Wirkung nicht, rasch kam die Genehmigung, und wenige Monate später wurde in der ganzen Diözese eine Kirchenkollekte für den Hürther Kirchbau abgehalten, die eine erfreuliche Summe von 7.781 Mark einbrachte.

Ein Jahr später beantragte der Kirchenvorstand die Genehmigung zu einer Haussammlung bei den weltlichen Behörden. Sie benötigten "nur" ein Jahr, um die Zulassung für eine Sammlung in den Regierungsbezirken Köln, Düsseldorf und Aachen zu erteilen., wobei der Dienstweg zur damaligen Zeit folgendermaßen verlief:
Die Erlaubnis, vom Oberpräsidenten der Rheinprovinz erteilt, ging über den Regierungspräsidenten von Sydow an den Königlichen Landrat von Dreyse, der sie an den Bürgermeister von Hürth, Rosell, schickte. Von dort gelangte sie endlich an das Hürther Pfarramt, zu Pfr. Rath. So kam es, dass im Jahre 1894 Hürther "Deputierte" auf Wanderschaft gingen, die Dörfer und Städte abklapperten und um eine Spende für ihre Kirche baten.

Welche Mühe haben wohl die fleißigen Sammler auf sich genommen, wie viele Stunden Freizeit haben sie geopfert, wie viele Kilometer haben sie zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Pferdewagen zurückgelegt, um die beachtliche Summe von 16.120 Mark zusammenzutragen!

Die Finanzierung des Kirchbaus war nun auf eine solide Grundlage gestellt. Der Rest konnte als Darlehen bei der Kreissparkasse des Landkreises aufgenommen werden.

Jetzt ging alles sehr schnell. Am 4. April 1894 wurde die Bauerlaubnis ausgestellt, und am 9. April konnte der erste Spatenstich getan werden.

Am 20. Juni 1894 wurde von Dechant Titz aus Köln-Lindenthal der Grundstein gelegt und - was heute trotz moderner Baumaschinen auch nicht schneller möglich wäre - ein Jahr später war die Kirche fertig.

Die Leistung wird noch erstaunlicher, wenn man weiß, dass der Winter 1894/95 sehr streng war mit Temperaturen von -19° C. Bei solch kalter Witterung mussten die Bauarbeiten ruhen, Verzögerungen waren die Folge. Aus verschiedenen Gründen gab es Ärger und weitere Verzögerungen: eine beschädigte Säule musste neu beschafft werden; Säcke, die mit Kalk gefüllt sein sollten, waren schlecht verschnürt und kamen halb leer hier an.

Um die versäumte Zeit aufzuholen, wurde die Arbeitszeit am Bau verlängert, 14 Stunden täglich schufteten die Handwerker, von morgens 6 Uhr bis abends 20 Uhr. Zweifellos verstand es Pfarrer Rath, die Arbeiter bei Laune zu halten und zu hoher Leistung anzuspornen. Um Baumängel oder Unfälle weitgehend auszuschließen, war der Genuss von Alkohol bei der Arbeit aufs strengste verboten, aber zum Feierabend am Samstag gab es regelmäßig ein kleines Fässchen Freibier vom Pastor. Warum der gute Brauch eines Samstags ausfiel, erzählt folgende Geschichte:

Die anstrengende Arbeit am Bau brachte es mit sich, dass die Handwerker untereinander eine rauhe Sprache pflegten. Als nun eines Tages die Arbeiter sich Wörter wie "Paafeschwanz" und "Klätschöhrchen" gegenseitig zuriefen und diese Ausdrücke auch noch unserem Pastor Rath zu Ohren kamen, missfiel ihm dieser Umgangston, der beim Bau eines Gotteshauses doch unangemessen grob war. In heiligem Zorn ließ er daraufhin am folgenden Samstag das Freibier ausfallen, und die ahnungslosen Arbeiter erhielten statt dessen eine ordentliche Predigt. Die aber hätte der Pfarrer sich sparen können, hätte er die Sprache der Bauleute nur richtig verstanden. Wie sich herausstellte, handelte es sich um ein einfaches Missverständnis. Denn "Paafeschwanz" und "Klätschöhrchen", die vermeintlichen Schimpfwörter, bedeuteten in der Sprache der Bauarbeiter "1/2 Ziegelstein" und "1/4 Ziegelstein".

Am folgenden Samstag gab es als Entschädigung für jeden die doppelte Ration Freibier.

Aus den Bauakten geht hervor, dass auch Hürther Handwerksbetriebe am Bau beteiligt waren: I. Enkel führte Schmiedearbeiten durch, P. Schmitz stellte Dachstuhl und Dach fertig und H. Schlesinger übernahm kleinere Schreinerarbeiten. Die weiteren Arbeiten führten Betriebe aus der Umgebung durch.

Als im Sommer 1895 alles fertig war und nur noch der Wetterhahn auf dem Kirchturm fehlte, war die Freude bei den Handwerkern groß. Ausgelassen zogen die Zimmerleute durch das Dorf. Sie trugen den goldenen Hahn durch die Straßen und zeigten allen Leuten das Schmuckstück, das schon bald von der Spitze des Kirchturms über die Hürther Dächer blicken sollte.

Dabei ließen sie auch Sammelbüchsen rundgehen. Die Spende war diesmal aber nicht für den Kirchbau, sondern für die Handwerker selbst, die einen kräftigen Umtrunk verdient hatten.

Am 25. August 1895 feierte man die Einweihung der Kirche. Damit auch die Alstädter und Knapsacker das feierliche Läuten der Glocken hören konnten, wurde eigens zu diesem Zweck in jeder Schallluke eine Schallumlenkplatte gerade gesetzt. Die feierliche Konsekration der Kirche nahm Weihbischof Dr. Schmitz vor, anschließend wurde die weltliche Feier in der Gaststätte Koep (heute Mellen) abgehalten.

In den folgenden Jahren wurde der Innenraum des Gotteshauses würdig ausgestattet.

Man hatte am 25.3.1895 den Bauverein aufgelöst, da die Bevölkerung mit der Einführung der Kultussteuer (50% der Einkommenssteuer) zusätzlich belastet war und ihr weitere finanzielle Verpflichtungen im Bauverein nicht zugemutet werden sollten. Man führte statt dessen eine besondere Kollekte, die "Tellersammlung", ein, die einmal im Monat in den Sonntagsgottesdiensten abgehalten wurde und der Innenausstattung der Kirche diente.

Aus der alten Kirche hatte man die barocke Kreuzigungsgruppe mit überlebensgroßen Figuren übernommen, die noch aus dem ehemaligen Zisterzienser-Kloster in Burbach stammte. Auch die beiden Holzfiguren über den Seitenportalen, die den heiligen Michael und einen Schutzengel darstellen, standen vorher in der alten Pfarrkirche.

Zunächst genügten auch noch die beiden Glocken aus der alten Kirche - eine davon hatte Frau Catharina Clouth 1845 gestiftet - deren Klang in dem neuen größeren Glockenstuhl jedoch nicht befriedigte. So war Pfarrer von Contzen auch nicht ärgerlich, als die Glocken am 27. Juni 1917 - der erste Weltkrieg war noch in vollem Gange - vom Staat beschlagnahmt und für "wichtigere" Dinge missbraucht wurden. Man ließ sie einschmelzen und stellte daraus Kanonen und andere Waffen her.

Der Kirchenvorsteher Adam Becker hatte das wohl vorausgeahnt und vor seinem Tode am 29. September 1916 in seinem Testament der Kirche 5.000 M für die Anschaffung einer Glocke gestiftet. An die Stiftung hatte er die Bedingung geknüpft, dass die Glocke spätestens fünf Jahre nach seinem Tode läuten müsse, danach falle das Geld an seine Erben. So war Pfarrer von Contzen in Zugzwang. Hinzu kam die Befürchtung, das Geld könne in der unsicheren Kriegszeit durch Inflation verloren gehen, und es blieb die Ungewissheit, ob man in fünf Jahren überhaupt schon wieder Bronzeglocken gießen werde. So entschloss er sich, Gussstahlglocken anzuschaffen, wozu das Generalvikariat nur ungern die Zustimmung erteilte.

Am 20. Oktober 1918 wurden vier Gussstahlglocken feierlich geweiht. "Adam", - benannt nach dem Stifter Adam Becker -, "Catharina" - benannt nach der Stifterin der alten Glocke - sowie "Josef" und "Maria".

Seit diesem Tag klingt von unserem Kirchturm das bis heute gewohnte Läuten.

Auch eine Turmuhr konnte aus finanziellen Gründen nicht sofort angeschafft werden. Das machte sich besonders beim Beginn der Gottesdienste bemerkbar, wenn nämlich viele Gläubige zu spät zur Kirche kamen. Pfarrer Hamacher dachte, dass eine öffentliche Uhr auch für die Zivilgemeinde von Bedeutung sein musste, und stellte einen Antrag an den Gemeinderat mit der Bitte, der Pfarrei einen Zuschuss für die Anschaffung einer Turmuhr zu gewähren. Der Antrag blieb ohne Erfolg.

Günstiger verlief ein Gespräch, das sein Nachfolger, Pfarrer von Contzen, im Jahre 1916 mit dem Direktor der Knapsack AG., Dr. Kraus, führte, anlässlich eines Landverkaufs an das Stickstoffwerk. Im Verlauf des Gespräches überzeugte der Pfarrer den Direktor von der Bedeutung einer öffentlichen Uhr für die Bewohner von Hürth. Das Werk schenkte der Kirche eine Turmuhr, und seit dem 18. September 1916 können die Hürther die Zeit vom Kirchturm ablesen.

Einer Stiftung verdanken die Hürther auch den Hochaltar. Josefine Löhrer, Haushälterin bei Pfarrer Klinkhammer und später bei Pfarrer Rath, hatte Pfarrer Klinkhammer über mehrere Jahre unentgeltlich versorgt, als der während des Kulturkampfes, in dessen Verlauf die Gehälter der Geistlichen gesperrt waren, völlig mittellos war. Diese großzügige Unterstützung vergaß der Pfarrer nicht, auch nicht, als es ihm wieder besser ging, die Gehälter wieder gezahlt wurden und aus den gesperrten Geldern ein Guthaben von 3.300 Mark angewachsen war. Er bestimmte Frau Löhrer zu seiner Alleinerbin, die das Geld auf Anraten von Pfarrer Rath der Kirche für einen neuen Hochaltar stiftete.

Trotz großzügiger Stiftungen blieb für die Gemeinde noch viel zu leisten übrig, um das Gotteshaus würdig einzurichten, wobei die 7.743 Mark teure Orgel, die im Jahre 1903 eingebaut wurde, die Opferbereitschaft der Hürther noch einmal deutlich macht.

Es scheint, dass damals die Kirche den Menschen mehr bedeutete als heute, dass sie ihnen ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelte, als geistliche Mitte angenommen wurde und eine Begegnungsstätte für die Bevölkerung darstellte.

Die sichtbar großzügige Ausstattung des Gotteshauses war Ausdruck des religiösen Lebens der Gemeinde und kann als ein Geschenk an die nachfolgenden Generationen verstanden werden. Dafür sollten wir heute, nach 100 Jahren, dankbar sein.

Ursula Fleischhauer

 

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